Organspende auf dem Weg zum Ausschlachten ohne Zustimmung

Aktuell gibt es Bestrebungen die Regelungen für die Organspende neu festzulegen. Dabei wird der Schwerpunkt nicht auf die Optimierung der Prozesse in Krankenhäusern gelegt, sondern vom Versagen der Politik und des Gesundheitssystems abgelenkt und der “Schwarze Peter” alleinig bei den potentiellen Spendern gesucht. Das wir uns beim Folgenden nicht falsch verstehen. Ich bin nicht gegen Organspenden, Organspenden sind wichtig und sich damit auseinander zu setzen sollte jeder tun. Ich bin aber dafür, dass dieses durch Aufklärung passiert, durch positiven Einfluss und das auch wenn dieses ein etwas mühseliger Weg ist. Dieses sind wir dem Leben und der Demokratie schuldig.


Der aktuelle Ansatz, der Spende aktiv widersprechen zu müssen wenn man es nicht möchte ist aber falsch! Schon im Grundgesetz steht:

Art 1 GG
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Art 2 GG
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Wie wir lesen, steht dort nicht, dass man sich aktiv wehren muss wenn man nicht ausgeschlachtet werden möchte. Nichts davon, dass man sich irgendwo melden muss, einen Ausweis beantragen, sich eventuell blöd kommen lassen muss usw.. Dort steht nichts von Einschränkungen, von Handlungsdruck des Individuum um seine Unversehrtheit zu bewahren.

Art 3 GG
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Art 4 GG
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Das Konzept der Organspende thematisiert den Hirntod als Parameter für Leben oder Tod. Das mag ja für viele Bürger der Republik so ok sein aber wer den Menschen nicht alleine durch seine höheren Hirnfunktionen definiert, wer aus Glaubensgründen ein anderes Konzept verfolgt wird gezwungen tätig zu werden.
Er muss handeln um sein Grundrecht wahrzunehmen. Er ist erst unverletzlich, wenn er sich durch eine Behörde ein Papier ausstellen lässt. Auch ein Embryo hat keine höheren Hirnfunktionen, bis zur dritten Woche nicht einmal ein Gehirn.   

Ich halte diese Pläne deshalb nicht einmal auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehend.

Das der Staat über das Individuum bestimmt und dieses gezwungen wird sich zu wehren ist der falsche Weg. Diese Ansätze hatten wir schon, Faschismus und andere Diktaturen auf deutschem Boden haben den Schutz des Individuum ausgehebelt und das Volkswohl über den einzelnen Menschen gestellt.

Ein erzwungener Widerspruch ist nicht nur ein einfacher zumutbarer Akt! Ein erzwungener Widerspruch ein erzwungenes aktives Eingreifen ist das Aushebeln von Grundsätzen. Auch in den Diktaturen gab es theoretisch eine Demokratie, hätte man widersprechen können, bei Wahlen in die Kabine gehen…
Aber so ist es nicht gemeint im Grundgesetz, mit Absicht ist das Grundgesetz so gestaltet, dass man frei ist ohne extra einen Antrag zu stellen. Niemand muss aktiv bekunden, dass er auf seine Unversehrtheit Wert legt und wer dieses nicht tut gehört nach dem Grundgesetz nicht dem Staat und kann verwertet werden.

Auf die Tränendrüsen zu drücken mit dem Bedarf an Organen ist makaber. Jede Spende bedeutet das Ende von Träumen und Lachen eines Menschen. Dieses Bestreben nach Glück und Leben als unwichtig und nur das Weiterleben eines Anderen in den Fokus zu stellen ist menschenverachtend. Wenn jemand ein Organ braucht, dann ist das natürlich für ihn eine verzweifelte sehr schlimme Situation.  Aber an dieser Situation sind nicht die lebenden Menschen Schuld und sie sind auch nicht dafür verantwortlich. Der Vampir Blick auf die Lebenden ist mindestens so unmoralisch wie die Ignoranz wie es z.B. nach einem tödlichen Unfall weiter geht. Niemand der gegen die Spende ist, ist alleinig deshalb ein schlechterer Mensch oder handelt allein deshalb unmoralisch.

Wer Menschen retten will kann das auch lebend und vor allem aktiv lebend tun. Er kann seinen ökologischen Fußabdruck verkleinern, Kindern durch Spenden helfen usw.. Es gibt viele Möglichkeiten Menschen zu helfen, für das Leben einzutreten. Organspende ist nur ein möglicher Weg. Wer konsequent für Umweltschutz eintritt, dafür aktiv kämpft, dass weniger Menschen verhungern, absaufen oder auf der Flucht sterben, hilft und rettet mehr Menschen als es seine Leber tun könnte.

Außerdem scheitern viele potentielle Spenden an der schlechten Organisation in den Krankenhäusern. Scheitern daran, dass Krankenhäuser Kosten sparen wollen und potentielle Spenden nicht zustande kommen, scheitern am Kapitalismus und nicht an der Spendenbereitschaft. Da ist vorrangig Handlungsbedarf.

Wer sich einmal die Mühe macht und eine Suchmaschine im Web anschmeißt findet Beiträge die diesen Schwarz/Weiß Blick schnell als zu einfach entlarven.

Mal zum nachlesen ein kleiner Auszug:

Wirtschaftsprüfungsfirma BDO: So hat die DSO-Spitze von 2009 bis 2011 rund 115.000 Euro für „Lobbying-Arbeiten“ ausgegeben. Für teure Füller, Beeinflussung von Politikern…   

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/missstaende-bei-stiftung-organtransplantation-ein-herz-fuer-dienstwagen-1.1322009

In den USA rücken Experten zunehmend vom Konzept Hirntod = Tod ab, sie sprechen von „justified killing“ (gerechtfertigtem Töten).

Im Hirntod-Konzept drückt sich eine bestimmte weltanschauliche Auffassung vom Menschen aus, wonach alles was das menschliche Leben ausmacht, mit dem Gehirn verbunden ist. Diese Auffassung ist jedoch nur eine von vielen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hirntod-diagnose-schwerer-fehler-vor-organentnahme-a-1012439.html

Ein paar negativ Beispiele von Fehlentscheidungen:

Eine 40-jährige Frau wurde leblos von ihrer Familie gefunden. Die Patientin zeigte keine Hirnstammreflexe mehr, wurde künstlich beatmet und auf der Intensivstation versorgt, bis sie schließlich für hirntot erklärt wurde. Am fünften Tag ihres Klinikaufenthalts, man hatte bereits mit den Vorbereitungen für die Organentnahme begonnen, bewegte sich die Frau. Sie erwachte nach und nach und wurde ohne neurologische Folgeschäden in eine andere Klinik überwiesen.
Die Ärzte hatten nicht erkannt, dass die Patientin sich mit einem muskelentspannenden Mittel vergiftet hatte. Diagnosegeräte hätten helfen können. Tatsache ist aber auch: Sie bieten ebenfalls keine hundertprozentige Sicherheit. Denn jede einzelne Methode hat Stärken und Schwächen.

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/falsche-todesdiagnosen-in-krankenhaeusern-aerzte-erklaeren-patienten-oft-faelschlich-fuer-hirntot-1.1891373

In einem Fall, bei einem Kleinkind, entnahmen Mediziner Organe für die Transplantation, ohne dass der Hirntod richtig diagnostiziert worden war. In acht weiteren Fällen aus den vergangenen drei Jahren, die der SZ vorliegen, haben Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) die Fehler gerade noch rechtzeitig vor der Organentnahme entdeckt.

Ein Film von Dr. Regina Breul und Silvia Matthies über einen skandalösen Fall aus Spanien, dem „Musterland“ für Organspende. Marina hat ihre Hirntod-Fehldiagnose ein Jahr „überlebt“. Dann hat die spanische Polizei das Leben des Kindes beendet.

https://www.deutschlandfunk.de/medizin-die-untoten.740.de.html?dram:article_id=305199

„Den meisten ist nicht so klar: Wenn der Hirntod fehlerhaft bestimmt ist, dann ist man zwar todgeweiht, aber man erlebt unter Umständen den vollen Operationsschmerz.“

Gundolf Gubernatis, Transplantationschirurg, ehemals Medizinische Hochschule Hannover. :

Rund 3.000 Mal wird in deutschen Kliniken jährlich der Hirntod diagnostiziert. Ein eher seltenes Ereignis, selbst große Kliniken haben kaum mehr als zehn Fälle pro Jahr. Nur wenige Ärzte können eine gewisse Routine bei der Diagnose entwickeln und so passieren Fehler. Anfang dieses Jahres wurden mehrere Fälle bekannt, bei denen Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Organtransplantation DSO eine fehlerhafte Hirntoddiagnose entdeckten. Details gibt die DSO nicht bekannt. Bestätigt ist jedoch, dass bei einem Säugling Untersuchungszeiten nicht korrekt eingehalten wurden. Im schlimmsten Fall war das Kind daher gar nicht tot, als ihm Organe entnommen wurden.

„Sie müssen weder Facharzt sein, noch jemals im Leben eine Hirntod-Diagnostik selbst unter Anleitung beziehungsweise zugesehen haben und Sie müssen auch nicht verpflichtend die Richtlinien der Bundesärztekammer überhaupt kennen. Das ist in meinen Augen eine Katastrophe, deswegen haben wir mit mehreren Ärzten einen Brandbrief sozusagen an die Ärztekammer geschickt Anfang des Jahres, weil die Probleme seit vielen vielen Jahren bekannt sind.“

„Man muss eben überhaupt keine technische Untersuchung heran ziehen. Sondern lediglich mit der rein körperlichen Untersuchung ist der Hirntod bestimmbar. Das ist mir zu wenig. Ich will, dass zumindest eine technisch-apparative Untersuchung herangezogen wird und das ist auch eine der Forderungen, die wir an die Bundesärztekammer gestellt haben.“

 

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