Der Schwarm

 Der Schwarm (Frank Schätzing)

Schon so lange ich lese, lese ich SF Literatur. Es gibt im Kern zwei Varianten. Eine konzentriert sich mehr auf technische Fiktionen, die andere eher auf Gesellschaftliche.
Die zweite Variante ist vergleichbar mit früheren Fabeln, nutzt die fiktive Situation um aktuelle oder grundsätzliche gesellschaftliche Fragen zu diskutieren oder persönliche Konflikte. Deshalb ist die meiste SF Literatur natürlich eng an den aktuellen Zeitgeist gekoppelt und ein Spiegel der Gesellschaft. Gute SF Literatur schafft es sich davon ein Stück zu lösen und die Fragen die uns bewegen dann etwas unbelasteter zu verarbeiten.
„Der Schwarm“ ist nun schon ein paar Tage her. Das ist bei einigen der von mir vorgestellten Büchern so. Ich finde, dass ist auch ganz gut. Einmal will ich den Inhalt nicht Spoilern und dann geht es auch darum zu erzählen was hängen bleibt. Bei guten Büchern mehr, bei schlechten eher kaum etwas. Bücher die Emotionen wecken prägen sich tiefer ein.
Bei „Der Schwarm “ ist dieses sehr zwiespältig. Es gibt nicht die große technische Fiktion sondern den beschriebenen zweiten Ansatz und die Betonung auf unsere aktuelle Gesellschaft, unser Zusammenleben und unseren Einfluss auf die Erde.
Die Chance für den Autor wäre jetzt also gewesen genau dieses zu leisten. Charaktere zu entwickeln, diese in in Konflikten reifen zu lassen, Sympatien zu schaffen oder Antipathien. Fragen zu stellen und vielleicht zu beantworten usw. . Das gelingt in diesem Buch dem Autor nur teilweise und für den Umfang des Romans auch nicht tief genug.
Es gibt also eine interessante Idee, eine Geschichte die erzählt wird, einen gewissen Spannungsbogen vom gutem Anfang bis zum konstruierten Ende, also eher Handwerk und kein ambitioniertes Buch.  Ich habe hier bestimmt einige miese Texte, aber eben auch einige die einfach raus mussten. „Der Schwarm“ hat etwas von „ich muss ja Geld verdienen“.
Das Buch soll alleine vom Klischee der ach so bösen Menschheit und den schlimmen Einfluss auf die Erde Leben. Auch die üblichen Weltpolizisten die nur an sich denken gibt es.  Nur mäßig ausgeformten Charaktere bekommen ihre Rolle, und müssen den Bösen, Guten und den Spinner geben. Klar sie dürfen auch mal zweifeln, aber irgendwie alles etwas glatt und konstruiert.
Da es sich nicht um ein Taschenbuchformat handelt, ist das zum Teil unbefriedigend. Denn es gibt auch Abschnitte die sich schleppen, die wenig vertiefen und nur bescheiden sekundäre  Handlungsstränge liefern, wie Platzfüller scheinen.
Um ein Drittel gekürzt oder den Platz besser genutzt hätte es ein gutes Buch werden können. So bleibt der Nachgeschmack des mitschwimmens auf der Ökowelle.
Lesen? Wer auf Ökokrimis steht, wer seine Verschwörungstheorien bestätigt haben möchte, seine Filterblase pflegen, der soll es tun. Wer Unterhaltung sucht, vielleicht auch. Wer Anspruchsvolle SF Literatur sucht, das Spiel mit den Fragen nach Zielen und Tiefe sucht, der braucht es nicht.

 

 

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3 Gedanken zu “Der Schwarm

  1. Also, ich habe den Schwarm beim ersten Mal zügig durchgelesen. Und dann später noch mal. Inzwischen steht er im Bücherregal.

    Die Story entwickelt sich eigentlich recht dynamisch, wie ich finde. Die Charaktere sind nicht in epischer Tiefe dargestellt, das ist richtig. Aber das ist auch ein Mittel des Autors, denn es geht um die Geschichte, hinter die die darin spielenden Personen zurücktreten (sollen).

    Auch der Kern der Story ist eher die Frage, wie die Menschheit reagieren würde, träfe sie auf eine andere intelligente Rasse. Ein uraltes Klischee in der SF. Aber Schätzing hat hier den Kunstgriff gemacht, diese – auch viel ältere Rasse – auf den Planeten Erde zu verlegen. Woraus sich eine Menge anderer Konflikte und Fragen ergeben.

    Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich „Der Schwarm“ bei etwa 8,5 ansetzen. Aber Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden, wie man so sagt.

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  2. Interessant. Mir hat der „Schwarm“ (im Gegensatz zu Schätzings Mondbuch danach) sehr gut gefallen. Ich fand die Charaktere erstaunlich gut gezeichnet (klar, kein Dostojewski), die Beschreibungen vom Meer samt Getier gelungen und die Story spannend. Für mich ist das eins der wenigen Bücher auf Deutsch, das an die Science-Thriller von Michael Chrichton rankommt – und das ist schon ein großes Kompliment 🙂
    Finde ich übrigens super, dass Du auch ältere Bücher vorstellst – den Neuerscheinungen laufen schon genug hinterher 🙂
    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    • Hm, ok, ich fand es fehlte immer etwas bezogen auf den Umfang des Buches. Deshalb ja mein Einwand, dass es gekürzt besser gewesen wäre. Der Schluss ist dann mal abgesehen von der Aktion schon konstruiert und nicht überzeugend. Irgendwie nach, die Geister die ich rief, müssen ja wieder aus der Welt. Aber Wahrnehmungen sind subjektiv und vielleicht haben mich andere Bücher einfach mehr gefesselt oder mich zu einem passenderen Zeitpunkt erwischt.
      Danke für deinen Kommentar. Liebe Grüße

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